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Augentropfen richtig anwenden: 7 Fehler vermeiden

Tropfen daneben, halbes Fläschchen verbraucht, brennende Augen – beim Eintropfen läuft oft mehr schief als gedacht. Mit ein paar einfachen Handgriffen landet der Wirkstoff dort, wo er hingehört: im Auge. Ein Schritt wird dabei fast immer vergessen.

Person neigt den Kopf leicht zurück, zieht das untere Augenlid mit einem Finger herunter und hält ein kleines Tropffläschchen darüber bereit

Augentropfen sehen nach einer der einfachsten Anwendungen überhaupt aus – Kopf in den Nacken, drücken, fertig. In der Praxis geht dabei erstaunlich viel schief: Der Tropfen landet auf der Wange, es kommen gleich mehrere aufs Mal, oder zwei verschiedene Präparate spülen sich gegenseitig wieder aus dem Auge. Die Folge ist nicht nur ein rasch leeres Fläschchen, sondern oft auch eine schwächere Wirkung. Dieser Ratgeber zeigt allgemein verständlich, wie Sie richtig tropfen, welche sieben Fehler am häufigsten passieren – und verrät jenen einen Handgriff, den kaum jemand kennt, obwohl er einen grossen Unterschied macht. Er ersetzt keine ärztliche Behandlung, sondern hilft Ihnen, Ihre Tropfen wirksam und sicher anzuwenden. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Präparat sind die Packungsbeilage und Ihre Apotheke die richtige Anlaufstelle.

Die 7 häufigsten Fehler auf einen Blick

  • Mehr als ein Tropfen: Das Auge fasst nur einen – der Rest läuft ungenutzt weg.
  • Flaschenspitze berührt Auge oder Wimpern: So gelangen Keime ins Fläschchen.
  • Tränenkanal nicht zugedrückt: Ein grosser Teil fliesst in Nase und Rachen ab.
  • Kein Abstand zwischen zwei Tropfen: Das zweite Präparat spült das erste aus.
  • Falsche Reihenfolge: Salbe gehört zuletzt, nicht zwischen die Tropfen.
  • Kontaktlinsen drin gelassen: Manche Tropfen vertragen sich schlecht mit Linsen.
  • Zu lange offenes Fläschchen: Nach Anbruch gilt eine begrenzte Verwendungsdauer.

Schritt für Schritt: so tropfen Sie richtig

Ein wenig Vorbereitung erspart viel Frust. Waschen Sie sich zuerst gründlich die Hände und schütteln oder prüfen Sie das Fläschchen, falls die Packungsbeilage das verlangt. Dann gehen Sie ruhig vor:

  • Neigen Sie den Kopf leicht zurück oder legen Sie sich hin und schauen Sie nach oben.
  • Ziehen Sie mit einem sauberen Finger das untere Augenlid sanft nach unten, sodass eine kleine Tasche entsteht.
  • Halten Sie das Fläschchen darüber, ohne Auge, Wimpern oder Finger zu berühren, und geben Sie einen einzigen Tropfen in diese Tasche – nicht direkt auf die Hornhaut.
  • Schliessen Sie das Auge sanft, ohne zu blinzeln oder zu pressen.
  • Drücken Sie jetzt den inneren Augenwinkel zu (dazu gleich mehr) und bleiben Sie ein bis zwei Minuten so.

Wenn Ihre Hand zittert, dürfen Sie den Handrücken an der Stirn oder Wange abstützen. Merken Sie nach dem Tropfen einen bitteren Geschmack im Hals, ist das ein Zeichen, dass Flüssigkeit über den Tränenkanal abgeflossen ist – genau das lässt sich mit dem nächsten Handgriff verringern.

Der Handgriff, den fast niemand kennt: den Tränenkanal zudrücken

Am inneren Augenwinkel, dort wo Ober- und Unterlid zusammentreffen, beginnt der Tränenkanal. Über ihn fliesst normalerweise Tränenflüssigkeit in die Nase ab – deshalb läuft die Nase beim Weinen. Genau diesen Weg nimmt auch ein guter Teil der Augentropfen, wenn man nichts unternimmt: Statt am Auge zu wirken, verschwindet der Wirkstoff über die Nasenschleimhaut Richtung Rachen und wird von dort in den Körper aufgenommen.

Der Bindehautsack, in den Sie tropfen, fasst nur einen Bruchteil dessen, was ein Tropfen liefert. Der Überschuss muss irgendwohin – und ohne Gegenmassnahme fliesst er grösstenteils ab. Deshalb der einfache Trick: Drücken Sie nach dem Eintropfen mit einem Finger den inneren Augenwinkel sanft gegen die Nasenwurzel und halten Sie das Auge dabei ein bis zwei Minuten geschlossen. Fachleute nennen das nasolakrimale Okklusion. Studien zeigen, dass dieses Zudrücken zusammen mit geschlossenem Auge den Wirkstoff länger am Auge hält und weniger davon in den Blutkreislauf gelangen lässt. Bei Tropfen mit stärkeren Wirkstoffen – etwa gegen erhöhten Augeninnendruck – kann das nicht nur die Wirkung am Auge verbessern, sondern auch mögliche Nebenwirkungen im übrigen Körper verringern. Ein kleiner Handgriff mit spürbarem Effekt, der in kaum einer Anleitung steht.

SituationHäufiger FehlerBesser so
MengeZwei, drei Tropfen «zur Sicherheit»Ein Tropfen genügt – das Auge fasst nicht mehr
Nach dem TropfenBlinzeln, Auge offen lassenAuge schliessen, Augenwinkel 1–2 Min. zudrücken
Zwei PräparateDirekt hintereinander tropfenMindestens 5 Minuten Abstand einhalten
Tropfen und SalbeSalbe zuerstErst die Tropfen, die Salbe zuletzt
KontaktlinsenLinsen im Auge belassenMeist herausnehmen, nach ca. 15 Min. wieder einsetzen

Warum ein Tropfen genügt

Viele geben zwei oder drei Tropfen aufs Mal – aus dem Gefühl heraus, mehr helfe mehr. Das ist ein Trugschluss. Der Bindehautsack, also der Raum zwischen Auge und Unterlid, fasst nur eine kleine Menge Flüssigkeit; ein handelsüblicher Tropfen enthält bereits deutlich mehr, als dort Platz hat. Der zweite Tropfen läuft schlicht über den Lidrand oder den Tränenkanal ab, ohne zusätzlichen Nutzen. Er verbraucht nur unnötig Präparat und kann die Haut rund ums Auge reizen. Ein korrekt platzierter Tropfen reicht aus. Geht er einmal daneben, dürfen Sie einen weiteren nachgeben – aber als Regel gilt: einer pro Auge und Anwendung.

Die 5-Minuten-Regel bei mehreren Tropfen

Wer mehrere verschiedene Augentropfen braucht, macht leicht denselben Fehler wie bei der Menge: Präparat eins, sofort Präparat zwei. Doch das Auge kann nicht zwei Tropfen gleichzeitig aufnehmen. Der zweite spült den ersten teilweise wieder aus, bevor dieser einziehen konnte – beide wirken dann schwächer. Deshalb die Faustregel von mindestens fünf Minuten Abstand zwischen zwei unterschiedlichen Augentropfen. Die kurze Pause reicht, damit der erste Wirkstoff aufgenommen wird, bevor der nächste folgt.

Für die Reihenfolge gilt: erst die flüssigen Tropfen, dann – falls verordnet – zähflüssige Gele oder Salben zuletzt, weil ein Fettfilm sonst die nachfolgenden Tropfen abweisen würde. Die genaue Abfolge und die passenden Zeitabstände für Ihre konkreten Präparate stehen in der Packungsbeilage; im Zweifel lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.

Haltbarkeit: wie lange darf ein geöffnetes Fläschchen benutzt werden?

Ein oft unterschätzter Punkt ist die Haltbarkeit nach dem Öffnen. Das aufgedruckte Verfalldatum gilt für das ungeöffnete, versiegelte Produkt. Sobald ein Mehrdosis-Fläschchen angebrochen ist, muss es innerhalb einer begrenzten Zeit aufgebraucht werden, denn mit jedem Tropfen können Keime an die Öffnung gelangen. Wie lange genau ein bestimmtes Präparat nach Anbruch verwendet werden darf, ist unterschiedlich und steht in der Packungsbeilage – verlassen Sie sich nicht auf einen pauschalen Wert. Ein bewährter Tipp: notieren Sie das Öffnungsdatum auf dem Fläschchen. Einzeldosis-Pipetten ohne Konservierungsmittel sind meist nur für die einmalige Anwendung gedacht und werden danach entsorgt.

Verfärbte, trübe oder abgelaufene Tropfen gehören nicht mehr ins Auge. Wie Sie nicht mehr benötigte oder abgelaufene Mittel korrekt loswerden, lesen Sie in unserem Beitrag Abgelaufene Medikamente entsorgen – kurz gesagt: nicht in die Toilette, sondern zur fachgerechten Entsorgung in die Apotheke.

Augentropfen und Kontaktlinsen

Wer Kontaktlinsen trägt, sollte sie vor dem Tropfen in vielen Fällen herausnehmen. Konservierungsmittel, die manche Tropfen keimarm halten, können sich in weichen Linsen anreichern und das Auge reizen. Als Orientierung gilt: Linsen vor dem Eintropfen entfernen und erst nach etwa 15 Minuten wieder einsetzen. Es gibt Ausnahmen – manche befeuchtenden Tropfen sind ausdrücklich für das Tragen mit Linsen gedacht. Ob das auf Ihr Präparat zutrifft, entnehmen Sie der Packungsbeilage oder klären es mit Ihrer Apotheke beziehungsweise der Augenarztpraxis.

Wann ärztlicher Rat nötig ist: Wenn nach dem Tropfen starke Schmerzen, anhaltende Rötung, Sehverschlechterung oder eine deutliche Schwellung auftreten, brechen Sie die Anwendung ab und suchen Sie ärztlichen Rat. Selbstgekaufte Tropfen sollten Sie nicht über längere Zeit auf eigene Faust anwenden, ohne die Ursache abklären zu lassen.

Bei versehentlichem Verschlucken von Augentropfen – etwa durch ein Kind – oder bei Verdacht auf eine Vergiftung erreichen Sie Tox Info Suisse rund um die Uhr unter 145. In einem medizinischen Notfall wählen Sie 144. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel nachfragen – in der Apotheke, in der Augenarztpraxis oder über die Notfallnummern.

Häufige Fragen

Warum soll man nach Augentropfen den Tränenkanal zudrücken?

Weil sonst ein grosser Teil des Tropfens über den Tränenkanal in Nase und Rachen abfliesst, statt im Auge zu wirken. Drücken Sie deshalb nach dem Tropfen mit einem Finger sanft den inneren Augenwinkel gegen die Nasenwurzel und halten Sie das Auge ein bis zwei Minuten geschlossen. Das hält den Wirkstoff länger am Auge und verringert, wie viel davon über die Schleimhäute in den Körper gelangt. Gerade bei Tropfen mit stärkeren Wirkstoffen kann das systemische Nebenwirkungen mindern. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach, wenn Sie unsicher sind.

Wie lange soll man zwischen zwei verschiedenen Augentropfen warten?

Als Faustregel gelten mindestens fünf Minuten Abstand zwischen zwei unterschiedlichen Augentropfen. Der Bindehautsack fasst nur einen einzigen Tropfen; gibt man das zweite Präparat sofort danach, spült es das erste teilweise wieder aus. Mit einigen Minuten Pause kann jeder Wirkstoff einziehen. Augensalben kommen zuletzt. Die genaue Reihenfolge und Wartezeit für Ihre Präparate entnehmen Sie der Packungsbeilage oder erfragen sie in Ihrer Apotheke.

Wie lange sind Augentropfen nach Anbruch haltbar?

Viele Mehrdosis-Fläschchen sollten nach dem ersten Öffnen nur eine begrenzte Zeit verwendet werden, weil der Inhalt keimarm bleiben muss. Massgeblich ist immer die Angabe in der Packungsbeilage, nicht das aufgedruckte Verfalldatum des ungeöffneten Produkts. Notieren Sie das Öffnungsdatum auf dem Fläschchen. Einzeldosis-Pipetten ohne Konservierungsmittel sind meist nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Im Zweifel fragen Sie in Ihrer Apotheke, ob ein angebrochenes Fläschchen noch verwendet werden darf.

Kann man Augentropfen mit Kontaktlinsen anwenden?

In vielen Fällen sollte man weiche Kontaktlinsen vor dem Tropfen herausnehmen und erst nach etwa 15 Minuten wieder einsetzen. Konservierungsmittel in manchen Tropfen können sich in weichen Linsen anreichern und das Auge reizen. Ob ein bestimmtes Präparat mit Linsen verträglich ist, steht in der Packungsbeilage. Klären Sie das für Ihre Tropfen und Ihre Linsen mit der Apotheke oder der Augenarztpraxis.

Was mache ich, wenn der Tropfen daneben geht?

Das passiert häufig und ist kein Grund zur Sorge. Landet der Tropfen sicher nicht im Auge, dürfen Sie einen weiteren nachgeben. Sind Sie unsicher, ob etwas ins Auge gelangt ist, warten Sie einen Moment und beobachten Sie, ob der Wirkstoff spürbar ist. Bei Tropfen, auf deren genaue Anwendung es ankommt, fragen Sie im Zweifel in Ihrer Apotheke oder der Augenarztpraxis nach.

Quellen

  1. Zimmerman TJ, et al. Nasolacrimal occlusion to reduce systemic absorption and improve therapeutic effect of topical eye drops. Archives of Ophthalmology / Ophthalmology (via PubMed).
  2. Gray TA, et al. Interventions for improving adherence to ocular hypotensive therapy (Cochrane Systematic Review). Cochrane Database of Systematic Reviews (via PubMed).
  3. Van Santvliet L, Ludwig A. Determinants of eye drop size and instillation. Survey of Ophthalmology (via PubMed).
  4. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Informationen zum sicheren Umgang mit Arzneimitteln.
  5. Swissmedic – Schweizerisches Heilmittelinstitut: Arzneimittelinformation und Packungsbeilagen.
  6. pharmaSuisse – Schweizerischer Apothekerverband: Beratung in der Apotheke.