Apolino
Journal

Nasenbluten stoppen: Kopf nach vorne, nicht in den Nacken

Bei Nasenbluten legen viele reflexartig den Kopf in den Nacken – und machen damit genau das Falsche. Warum der Kopf nach vorne gehört, wie Sie die Nasenflügel richtig zusammendrücken und wann Nasenbluten in ärztliche Hände gehört.

Person sitzt aufrecht, beugt den Kopf leicht nach vorne und drückt mit Daumen und Zeigefinger die Nasenflügel zusammen, um Nasenbluten zu stillen.

Nasenbluten sieht oft dramatischer aus, als es ist. Die allermeisten Fälle sind harmlos und kommen mit ein paar einfachen Handgriffen innerhalb weniger Minuten zum Stillstand. Doch genau in diesen Minuten machen viele Menschen denselben Fehler: Sie legen den Kopf in den Nacken. Das fühlt sich intuitiv richtig an, ist aber falsch – denn das Blut läuft dann nach hinten in Rachen und Magen, statt vorne aus der Nase abzufliessen. Dieser Ratgeber erklärt allgemein verständlich, wie Sie Nasenbluten Schritt für Schritt richtig stoppen, warum die Kopfhaltung so entscheidend ist und bei welchen Warnzeichen Nasenbluten in ärztliche Hände gehört. Er ersetzt keine medizinische Beurteilung, sondern hilft Ihnen, im Ernstfall ruhig und richtig zu reagieren.

Kopf nach vorne – der wichtigste Handgriff

Die kurze Antwort auf die häufigste Frage lautet: nach vorne. Setzen Sie sich möglichst aufrecht hin und beugen Sie den Kopf leicht nach vorne, sodass das Blut ungehindert aus der Nase tropfen kann. In dieser Haltung sehen Sie ausserdem, ob und wie stark es noch blutet. Aufrechtes Sitzen senkt zugleich den Druck in den Gefässen der Nase leicht ab, was das Stillen erleichtert.

Der entscheidende zweite Schritt ist der Druck: Die meisten Blutungen stammen aus dem gut durchbluteten vorderen Teil der Nasenscheidewand. Genau dorthin gelangen Sie, wenn Sie die weichen Nasenflügel – nicht den harten Nasenrücken – mit Daumen und Zeigefinger zusammendrücken. Dieser gezielte Druck presst die verletzte Stelle zu und gibt dem Blut die Chance zu gerinnen.

Warum der Kopf nicht in den Nacken gehört

Der weit verbreitete Reflex, den Kopf in den Nacken zu legen, dreht das Ziel um: Statt aus der Nase abzufliessen, läuft das Blut nach hinten in den Rachen und wird verschluckt. Das hat gleich mehrere Nachteile. Verschlucktes Blut reizt den Magen und kann Übelkeit und Erbrechen auslösen. Gleichzeitig lässt sich nicht mehr erkennen, wie viel Blut tatsächlich abgeht – die Blutung wirkt gestoppt, obwohl sie es nicht ist. Und bei stärkeren Blutungen kann nach hinten laufendes Blut im ungünstigsten Fall die Atemwege reizen. Deshalb gilt: Kopf leicht nach vorne, nie in den Nacken.

Schritt für Schritt: Nasenbluten stoppen

Wichtig ist, den einmal aufgebauten Druck nicht vorzeitig zu lösen. Viele lassen nach ein, zwei Minuten los, um nachzusehen – und stören damit genau den Gerinnungsvorgang, der gerade in Gang kommt. Halten Sie stattdessen konsequent durch: Fachleute empfehlen, die Nasenflügel mindestens zehn Minuten ohne Unterbrechung zusammenzudrücken (manche Leitlinien nennen bis zu fünfzehn Minuten am Stück). Atmen Sie in dieser Zeit ruhig durch den Mund.

In fünf Schritten zum Stillstand

  • Aufrecht hinsetzen: Kopf leicht nach vorne beugen, damit das Blut abfliessen kann.
  • Nasenflügel drücken: die weichen Flügel mit Daumen und Zeigefinger fest zusammenpressen.
  • Druck halten: mindestens zehn Minuten am Stück, ohne zwischendurch nachzusehen.
  • Ruhig atmen: durch den Mund; ein kühles Tuch in den Nacken oder auf den Nasenrücken kann helfen.
  • Danach schonen: einige Stunden nicht kräftig schnäuzen und nicht in der Nase bohren.

Kühle kann den Effekt unterstützen: Ein kaltes, feuchtes Tuch oder ein in ein Tuch gewickelter Kühlbeutel auf Nacken oder Nasenrücken lässt die kleinen Gefässe enger werden. Ähnlich überlegt geht man bei anderen kleinen Zwischenfällen im Alltag vor – etwa wenn man nach einem Wespen- oder Bienenstich schnell kühlt, um die Reaktion zu begrenzen. Legen Sie Eis jedoch nie direkt auf die Haut, sondern immer mit einer Stofflage dazwischen.

SituationSo ist es richtigBesser vermeiden
KopfhaltungLeicht nach vorne beugen, Blut abfliessen lassenKopf in den Nacken legen (Blut läuft in den Rachen)
DruckWeiche Nasenflügel rund zehn Minuten am Stück zusammendrückenImmer wieder loslassen und nachschauen
KühlungKühles Tuch auf Nacken oder NasenrückenWarme Anwendungen oder heisses Getränk
DanachEinige Stunden nicht schnäuzen, Kruste in Ruhe lassenKräftig schnäuzen oder die Kruste ablösen
10 Min.so lange sollten Sie die Nasenflügel mindestens ohne Unterbrechung zusammendrücken
≈60 %so viele Menschen haben Schätzungen zufolge mindestens einmal im Leben Nasenbluten
Meist vornedie grosse Mehrheit der Blutungen stammt aus dem vorderen Teil der Nasenscheidewand

Grössenordnungen aus einer internationalen Leitlinie zu Nasenbluten (Otolaryngology–Head and Neck Surgery 2020, siehe Quellen).

Was hinter Nasenbluten stecken kann

In den allermeisten Fällen ist die Ursache harmlos. Die feinen Gefässe im vorderen Teil der Nase liegen dicht unter einer dünnen Schleimhaut und reissen leicht ein – besonders, wenn diese Schleimhaut trocken oder gereizt ist. Trockene Heizungsluft im Winter, häufiges Naseputzen und das Bohren in der Nase gehören zu den häufigsten Auslösern. Auch der Dauerschnupfen bei Heuschnupfen reizt die Schleimhaut, weil viel geschnäuzt und gerieben wird.

Ein oft übersehener Faktor sind Medikamente und Sprays für die Nase. Der Dauergebrauch abschwellender Nasensprays lässt die Schleimhaut mit der Zeit austrocknen und dünner werden, was Nasenbluten begünstigen kann. Ebenso können blutverdünnende Medikamente dazu führen, dass eine Blutung länger dauert oder stärker ausfällt. Wenn Sie solche Mittel einnehmen und häufig Nasenbluten haben, ist das ein guter Grund, das Thema ärztlich anzusprechen.

Ähnlich wie beim Reinigen der Ohren gilt auch für die Nase: Weniger mechanische Reizung ist oft mehr. Wer die Schleimhaut in Ruhe lässt, gibt kleinen Verletzungen die Zeit zu heilen, statt sie immer wieder aufzureissen.

Was tun bei häufigem Nasenbluten

Kehrt Nasenbluten immer wieder, lohnt es sich, nicht nur die einzelne Blutung zu stillen, sondern die Ursache anzugehen. Häufig steckt eine trockene Nasenschleimhaut dahinter. Zur schonenden Pflege gibt es in der Apotheke geeignete Mittel; welche in Ihrer Situation sinnvoll sind, besprechen Sie am besten direkt dort. Feuchtere Raumluft, das Vermeiden von starkem Schnäuzen und ein bewusster Verzicht auf das Bohren in der Nase helfen zusätzlich.

Tritt Nasenbluten trotzdem sehr oft auf, kommt in kurzen Abständen wieder oder betrifft es ein Kind besonders häufig, sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen. Meist findet sich eine harmlose Erklärung – die Abklärung schafft aber Sicherheit und ermöglicht gezielte Massnahmen. Verlassen Sie sich nicht auf Reste aus der Hausapotheke oder auf Mittel, die für jemand anderen verschrieben wurden.

Sofort handeln – Notruf 144 wählen bei bedrohlich starker Blutung, bei Atemnot, bei starkem Blutverlust mit Schwindel oder Kreislaufschwäche sowie nach einem schweren Unfall mit Schlag auf Kopf oder Gesicht.

Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn die Blutung nach etwa 20 bis 30 Minuten konsequentem Zusammendrücken nicht aufhört, immer wiederkehrt, sehr stark ist oder wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen. Auch Nasenbluten nach einem Sturz oder Schlag gehört ärztlich beurteilt.

Bei versehentlicher Einnahme eines Medikaments oder Verdacht auf eine Vergiftung erreichen Sie Tox Info Suisse rund um die Uhr unter 145. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel nachfragen – in der Apotheke, in der Arztpraxis oder über die Notfallnummern.

Einordnung

Nasenbluten wirkt oft alarmierend, ist in der grossen Mehrheit der Fälle aber ungefährlich und lässt sich mit einfachem, geduldigem Druck stillen. Studien und Leitlinien deuten darauf hin, dass die meisten Blutungen ohne besondere Behandlung von selbst aufhören. Entscheidend sind Ruhe und die richtige Technik: Kopf nach vorne, Nasenflügel zusammendrücken, durchhalten. Die im roten Kasten genannten Warnzeichen zeigen, wann diese Selbsthilfe an ihre Grenzen kommt und ärztliche Beurteilung nötig ist. Bei Verletzungen im Gesicht kann übrigens dieselbe Grundregel wie sonst bei stumpfen Blessuren gelten – wie das richtige Kühlen bei einer Prellung zeigt.

Häufige Fragen

Soll man bei Nasenbluten den Kopf nach vorne oder nach hinten neigen?

Nach vorne. Beugen Sie den Kopf leicht nach vorne, damit das Blut aus der Nase abfliessen kann und nicht in den Rachen läuft. Setzen Sie sich möglichst aufrecht hin und drücken Sie die weichen Nasenflügel mit Daumen und Zeigefinger zusammen. Den Kopf in den Nacken zu legen ist der am weitesten verbreitete Fehler: Dabei läuft das Blut nach hinten in Rachen und Magen, statt nach vorne abzufliessen.

Wie stoppt man Nasenbluten am schnellsten?

Am schnellsten hilft anhaltender Druck. Setzen Sie sich aufrecht hin, beugen Sie den Kopf leicht nach vorne und drücken Sie die weichen Nasenflügel oberhalb der Nasenlöcher fest zusammen. Halten Sie den Druck ohne Unterbrechung mindestens zehn Minuten und atmen Sie ruhig durch den Mund. Ein kühles Tuch im Nacken oder auf dem Nasenrücken kann zusätzlich helfen. Die meisten Nasenbluten kommen so von selbst zum Stillstand.

Warum ist es falsch, den Kopf in den Nacken zu legen?

Weil das Blut dann nach hinten in Rachen und Speiseröhre läuft, statt aus der Nase abzufliessen. Verschlucktes Blut reizt den Magen und kann Übelkeit oder Erbrechen auslösen. Ausserdem lässt sich schlechter abschätzen, wie stark es tatsächlich blutet. Der Kopf gehört deshalb leicht nach vorne, nicht in den Nacken.

Was tun bei häufigem Nasenbluten?

Häufiges Nasenbluten hat oft harmlose Gründe wie trockene Schleimhäute, häufiges Naseputzen oder Bohren in der Nase. Trockene Heizungsluft, abschwellende Nasensprays und manche blutverdünnenden Medikamente können es begünstigen. Wenn Nasenbluten immer wieder auftritt, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären, statt nur die Blutung zu behandeln. In Ihrer Apotheke erhalten Sie Rat zur schonenden Pflege der Nasenschleimhaut.

Wann muss man mit Nasenbluten zum Arzt?

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn die Blutung nach etwa 20 bis 30 Minuten konsequentem Zusammendrücken nicht aufhört, sehr stark ist oder immer wiederkehrt. Das gilt besonders, wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, nach einem Sturz oder Schlag auf Nase oder Kopf sowie bei Schwindel oder Kreislaufproblemen. Bei bedrohlich starker Blutung oder Atemnot wählen Sie den Notruf 144.

Quellen

  1. Tunkel DE, Anne S, Payne SC, et al. Clinical Practice Guideline: Nosebleed (Epistaxis). Otolaryngology–Head and Neck Surgery. 2020;162(1_suppl):S1–S38. DOI: 10.1177/0194599819890327 (via PubMed).
  2. Qureishi A, Burton MJ. Interventions for recurrent idiopathic epistaxis (nosebleeds) in children. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2012;(9):CD004461. DOI: 10.1002/14651858.CD004461.pub2.
  3. Krulewitz NA, Fix ML. Epistaxis. Emergency Medicine Clinics of North America. 2019;37(1):29–39. DOI: 10.1016/j.emc.2018.09.005 (via PubMed).
  4. Swissmedic – Schweizerisches Heilmittelinstitut: Arzneimittelinformation und sichere Anwendung von Arzneimitteln.