Kaum ein Thema begleitet uns durch Frühling und Sommer so beständig wie der Schutz vor der Sonne – und kaum eines ist von so vielen Halbwahrheiten umgeben. Wie hoch soll der Lichtschutzfaktor sein, wie viel Creme braucht es wirklich, und hält ein hoher Faktor automatisch den ganzen Tag? Dieser Guide ordnet ein, was in Ihrer Apotheke an fundiertem Wissen bereitliegt: verständlich, praxisnah und ohne erhobenen Zeigefinger.
Warum UV-Schutz mehr ist als Kosmetik
Sonnenlicht tut gut und hebt die Stimmung, doch ein Teil davon ist für die Haut belastend. Verantwortlich ist die ultraviolette Strahlung, kurz UV. Man unterscheidet zwei für uns relevante Bereiche: UVB wirkt vor allem an der Oberfläche und löst den klassischen Sonnenbrand aus, UVA dringt tiefer ein und trägt zur Hautalterung bei. Beide zusammen können das Erbgut der Hautzellen schädigen.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Krebsliga Schweiz weisen darauf hin, dass wiederholte Sonnenbrände – gerade in der Kindheit – das Risiko für Hautkrebs erhöhen. Umgekehrt gilt: Konsequenter Schutz senkt dieses Risiko. Sonnenschutz ist damit weniger eine Frage der Kosmetik als der Vorsorge.
Steckbrief: Lichtschutzfaktor (LSF)
Der LSF beschreibt vor allem den Schutz vor UVB. Ein Breitband-Produkt schützt zusätzlich vor UVA – erkennbar am UVA-Siegel (ein eingekreistes «UVA»). Die Krebsliga empfiehlt für die Schweiz mindestens LSF 30, für Kinder und sehr helle Haut eher höher. «Wasserfest» heisst nicht «wasserdicht»: Nach dem Baden und Abtrocknen ist Nachcremen nötig.
Den Lichtschutzfaktor richtig lesen
Der LSF ist ein Verhältniswert, kein Zeitversprechen. Er gibt an, um welchen Faktor sich der UVB-Schutz gegenüber ungeschützter Haut rechnerisch verlängert – vorausgesetzt, es wird die im Labor verwendete, recht grosse Menge aufgetragen. Im Alltag cremen die meisten Menschen deutlich dünner und erreichen so nur einen Bruchteil des angegebenen Werts. Wichtiger als eine besonders hohe Zahl ist deshalb, genügend Creme gleichmässig zu verteilen.
Auch der oft gehörte Reflex «höherer Faktor ist automatisch viel besser» stimmt nur bedingt: Zwischen LSF 30 und LSF 50 liegen beim Anteil abgehaltener UVB-Strahlen nur wenige Prozentpunkte. Ein höherer Faktor kann bei sehr empfindlicher Haut sinnvoll sein, ersetzt aber niemals Schatten, Kleidung und Nachcremen.
Richtig auftragen: Menge, Zeitpunkt, Nachcremen
Der häufigste Fehler ist die Menge. Fachstellen betonen: lieber grosszügig als sparsam, und wirklich lückenlos. Gerne vergessen werden Ohren, Nacken, Schläfen, Fussrücken und die Lippen (dafür gibt es Stifte mit UV-Filter). Tragen Sie den Schutz idealerweise etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnengang auf, damit der Film sich verteilen kann.
Nachgecremt wird nach dem Schwitzen, Baden und Abtrocknen sowie bei langem Aufenthalt regelmässig – üblicherweise etwa alle zwei Stunden. Wichtig zu wissen: Nachcremen erhält den Schutz, verlängert aber nicht die Gesamtzeit, die Sie gefahrlos in der Sonne verbringen können. Wie viel genau für Ihr Produkt und Ihre Situation nötig ist, entnehmen Sie der Packungsbeilage oder erfragen es in Ihrer Apotheke.
Hauttyp und der passende Schutz
Wie empfindlich die Haut reagiert, hängt stark vom Hauttyp ab. Die folgende, vereinfachte Übersicht hilft bei der Einordnung – sie ersetzt aber keine individuelle Beratung, besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft oder bei Vorerkrankungen.
| Hauttyp | Merkmale | Reaktion auf Sonne | Grundsatz |
|---|---|---|---|
| Sehr hell | helle Haut, Sommersprossen, oft rötliche Haare | verbrennt fast immer, wird kaum braun | hoher Schutz, Schatten, Textilien |
| Hell | helle Haut, blonde Haare | verbrennt leicht, wird langsam braun | hoher LSF, Mittagssonne meiden |
| Mittel | mittlerer Hautton | verbrennt mässig, wird gut braun | Schutz nicht vernachlässigen |
| Dunkler | olivfarbene bis dunkle Haut | verbrennt selten | Schutz bleibt sinnvoll |
Für Säuglinge gilt eine einfache Regel: Sie gehören nicht in die direkte Sonne. Kleinkinder schützt man in erster Linie mit Schatten, Kleidung und Kopfbedeckung, ergänzt durch ein für Kinder geeignetes Produkt. Auch hier berät Sie Ihre Apotheke, welche Formulierung sich eignet.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten. Ein leichter Sonnenbrand klingt meist von selbst ab. Bei ausgedehntem Sonnenbrand mit Blasen, Fieber oder Kreislaufproblemen sowie bei Anzeichen eines Sonnenstichs oder Hitzschlags (starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Verwirrtheit) gehört die Situation ärztlich abgeklärt. Bei Bewusstlosigkeit oder Kollaps wählen Sie den Notruf 144. Verschluckt ein Kind Sonnencreme, hilft die Tox Info Suisse unter 145 weiter. Neue oder sich verändernde Muttermale lassen Sie dermatologisch kontrollieren – die Krebsliga empfiehlt die regelmässige Selbstbeobachtung der Haut. Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche Beratung; lassen Sie sich im Zweifel in Ihrer Apotheke oder Arztpraxis beraten.
Sonnenschutz im Alltag und unterwegs
Der beste UV-Schutz ist der, an den man denkt. Meiden Sie nach Möglichkeit die intensive Mittagssonne (in der Schweiz grob zwischen 11 und 15 Uhr), suchen Sie Schatten und setzen Sie auf Hut, Sonnenbrille und dicht gewobene Kleidung. Creme ist die Ergänzung, nicht der alleinige Schutz. Und: UV wirkt auch bei Bewölkung sowie verstärkt in den Bergen und am Wasser, wo Schnee und Wasseroberfläche die Strahlung zurückwerfen.
Die warme Jahreszeit bringt oft mehrere Gesundheitsfragen zugleich mit sich – von Pollen bis zu gereizten Atemwegen bei Hitze und Ozon. Wer im Frühling unter tränenden Augen und Niesreiz leidet, findet Orientierung in unserem Beitrag dazu, was bei Heuschnupfen hilft. Und wer auf Sprays oder Inhalationsgeräte angewiesen ist, liest am besten nach, wie man richtig inhaliert, damit die Wirkstoffe auch bei Belastung dort ankommen, wo sie sollen.
Ein letzter Hinweis zu Medikamenten: Einige Wirkstoffe können die Haut lichtempfindlicher machen. Wenn Sie regelmässig Arzneimittel anwenden und viel in der Sonne sind, fragen Sie kurz in der Apotheke nach. Weitere Alltagsthemen rund um Medikamente und Gesundheit ordnen wir laufend im Apotheken-Ratgeber ein.
Häufige Fragen
Welchen Lichtschutzfaktor soll ich wählen?
Fachstellen wie die Krebsliga empfehlen für die Schweiz mindestens Lichtschutzfaktor 30, für Kinder, sehr helle Haut und intensive Sonne eher höher. Welcher Faktor und welche Formulierung zu Ihrer Haut und Ihren Aktivitäten passen, klären Sie am besten in Ihrer Apotheke.
Wie viel Sonnencreme braucht man?
Die meisten Menschen tragen deutlich zu wenig auf und erreichen so nicht den angegebenen Schutz. Als Faustregel gilt: grosszügig und lückenlos auftragen, auch Ohren, Nacken, Fussrücken und Lippen nicht vergessen. Halten Sie sich an die Hinweise auf der Packungsbeilage.
Muss man Sonnencreme nachcremen?
Ja. Nach dem Schwitzen, Baden und Abtrocknen sowie bei langem Aufenthalt sollte regelmässig nachgecremt werden, üblicherweise etwa alle zwei Stunden. Nachcremen erhält den Schutz, verlängert aber nicht die gesamte Zeit, die Sie in der Sonne verbringen können.
Schützt LSF 50 doppelt so gut wie LSF 25?
Nein. Der Unterschied im Anteil abgehaltener UVB-Strahlen ist klein: LSF 30 filtert rund 97 Prozent, LSF 50 rund 98 Prozent. Entscheidend ist vor allem, ob genügend Creme gleichmässig aufgetragen und rechtzeitig nachgecremt wird.
Braucht man Sonnenschutz auch bei bewölktem Himmel?
Ja. Ein grosser Teil der UV-Strahlung durchdringt auch dünne Wolken, und Wasser, Sand und Schnee reflektieren sie zusätzlich. Orientieren Sie sich am UV-Index: Ab Stufe 3 werden Schutzmassnahmen empfohlen.
Und was ist mit Vitamin D?
Für die körpereigene Vitamin-D-Bildung genügen in der Regel kurze Aufenthalte im Freien; ausgedehnte, ungeschützte Sonnenbäder sind dafür nicht nötig. Wenn Sie unsicher sind, besprechen Sie das Thema mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
Quellen
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Schutz vor UV-Strahlung – Empfehlungen zum richtigen Verhalten in der Sonne.
- Krebsliga Schweiz: Sonnenschutz und Hautkrebs – Informationen zu Lichtschutzfaktor, Hauttypen und Selbstkontrolle.
- World Health Organization (WHO): Global Solar UV Index – A Practical Guide.
- Green AC, Williams GM, Logan V, Strutton GM. Reduced Melanoma After Regular Sunscreen Use: Randomized Trial Follow-up. J Clin Oncol. 2011;29(3):257–263. doi:10.1200/JCO.2010.28.7078
- pharmaSuisse: Beratungsunterlagen zum Thema Sonnenschutz in der Offizinapotheke.