Apolino
Beschwerden

Erkältung: was in der Apotheke wirklich hilft

Laufende Nase, kratzender Hals, schwerer Kopf: Eine Erkältung ist lästig, aber meist harmlos. Wir ordnen ein, was Hausmittel und rezeptfreie Mittel leisten können – und wann Sie ärztlichen Rat brauchen.

Kaum wird es kälter, macht sie die Runde: die Erkältung. Fast jede und jeder kennt das Gefühl, wenn Hals, Nase und Kopf gleichzeitig streiken. Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen heilt eine Erkältung ganz von selbst. Was in dieser Zeit gut tut und welche Mittel aus der Apotheke sinnvoll unterstützen können, lesen Sie hier – ohne falsche Versprechen und mit einem klaren Blick darauf, wann Sie fachlichen Rat einholen sollten.

Was ist eine Erkältung überhaupt?

Eine Erkältung – medizinisch ein grippaler Infekt – ist eine Infektion der oberen Atemwege. Ausgelöst wird sie von Viren, nicht von Kälte allein. Mehr als 200 verschiedene Viren kommen dafür infrage, am häufigsten sind Rhinoviren. Die Erreger gelangen über Tröpfchen beim Niesen und Husten sowie über die Hände in Nase und Rachen. Von einer echten Grippe (Influenza) unterscheidet sich die Erkältung durch den meist langsameren Beginn und die insgesamt milderen Beschwerden.

Typisch sind Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Niesen, ein Druckgefühl im Kopf und manchmal leichtes Fieber. Weil das Immunsystem die Viren in der Regel selbst in den Griff bekommt, steht bei der Erkältung nicht die Heilung durch Medikamente im Vordergrund, sondern das Lindern der Beschwerden, bis der Infekt vorbei ist.

Steckbrief Erkältung

Auslöser: Viren (v. a. Rhinoviren), über 200 mögliche Erreger.
Typische Symptome: Schnupfen, Halskratzen, Husten, Niesen, Kopf­druck, ggf. leichtes Fieber.
Dauer: meist 7–10 Tage; Reizhusten kann etwas länger bleiben.
Ansteckung: Tröpfchen und Hände, am stärksten in den ersten Tagen.
Behandlung: Beschwerden lindern; Antibiotika wirken nicht.

2–3Erkältungen pro Jahr bei Erwachsenen
7–10Tage bis zur Abheilung (meist)
200+Viren können eine Erkältung auslösen

Hausmittel: was die Selbsthilfe leisten kann

Bewährte Hausmittel heilen die Erkältung nicht schneller, können die Zeit aber angenehmer machen. Im Vordergrund stehen Ruhe und Geduld: Der Körper braucht Energie, um mit dem Infekt fertig zu werden. Wer sich schont und ausreichend schläft, unterstützt die eigene Erholung.

  • Genug trinken: Wasser, ungesüsste Tees oder klare Suppen halten die Schleimhäute feucht und tun bei Halsschmerzen gut.
  • Nase pflegen: Kochsalz-Nasenspülungen und Meerwassersprays können eine verstopfte Nase befeuchten und das Durchatmen erleichtern.
  • Feuchte Luft: Regelmässiges Lüften und eine nicht zu trockene Raumluft entlasten die Atemwege.
  • Wärme: Ein warmer Tee, eine Wärmeflasche oder ein Ruhetag im Bett werden von vielen als wohltuend empfunden.
  • Honig bei Husten: Bei nächtlichem Reizhusten kann ein Löffel Honig lindernd wirken – aber niemals bei Kindern unter einem Jahr, wegen der Gefahr von Säuglingsbotulismus.

Für viele dieser Massnahmen ist die wissenschaftliche Evidenz begrenzt, doch sie sind sicher und meist wohltuend. Anders gesagt: Sie machen die Erkältung erträglicher, verkürzen sie aber kaum. Wer unsicher ist, welches Mittel zur eigenen Situation passt, ist in der Apotheke gut aufgehoben.

Rezeptfreie Mittel aus der Apotheke

In der Apotheke gibt es zahlreiche rezeptfreie Mittel, die einzelne Beschwerden lindern. Sie bekämpfen nicht die Viren selbst, sondern nehmen der Erkältung die Spitze. Wichtig: Kein rezeptfreies Mittel eignet sich für jede Person und jede Situation gleichermassen. Dosierung, Dauer und Eignung – etwa in der Schwangerschaft, bei Kindern oder bei chronischen Erkrankungen – richten sich nach der Packungsbeilage und der Beratung in Ihrer Apotheke.

  • Schmerz- und Fiebermittel können Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber lindern. Wenden Sie sie nur nach Packungsbeilage an und lassen Sie sich beraten – mehr dazu im Ratgeber Kopfschmerzen: was tun.
  • Abschwellende Nasensprays befreien kurzfristig die Nase, sollten aber nur wenige Tage und nach Packungsbeilage verwendet werden, da sie sonst selbst die Schleimhaut reizen können.
  • Halstabletten und Gurgellösungen befeuchten den Rachen und können Halskratzen angenehmer machen.
  • Husten- und Schleimlöser werden häufig eingesetzt; ihr Nutzen ist unterschiedlich belegt. Bei zähem Schleim hilft oft schon ausreichendes Trinken.
  • Vitamin C und Zink werden gern genommen. Die Studienlage ist jedoch schwach: Ein deutlicher Effekt auf Vorbeugung oder Verlauf ist nicht gesichert.
BeschwerdeWas oft als angenehm empfunden wirdGut zu wissen
Verstopfte NaseKochsalzspülung, feuchte Luft, kurzzeitig abschwellendes SpraySprays nur kurz und nach Packungsbeilage
HalsschmerzenWarme Getränke, Halstabletten, GurgelnBei starken, einseitigen Schmerzen abklären lassen
HustenViel trinken, Honig (ab 1 Jahr), Raumluft befeuchtenHält der Husten > 3 Wochen an: ärztlich abklären
Kopf- und GliederschmerzenRuhe, Schmerzmittel nach BeratungNicht mehrere Präparate kombinieren
Leichtes FieberRuhe, viel trinkenHohes oder anhaltendes Fieber abklären lassen

Nehmen Sie mehrere Medikamente gleichzeitig ein, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen. Fragen Sie deshalb vor dem Kauf nach, ob ein Erkältungsmittel zu Ihren übrigen Arzneimitteln passt.

Warum Antibiotika nicht helfen

Ein hartnäckiger Mythos hält sich: Bei einer starken Erkältung müsse ein Antibiotikum her. Das ist falsch. Antibiotika wirken ausschliesslich gegen Bakterien, während eine Erkältung von Viren verursacht wird. Sie verkürzen einen grippalen Infekt nicht, können aber Nebenwirkungen verursachen und tragen zur Bildung von Antibiotikaresistenzen bei – einem der grossen Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Der unnötige Einsatz von Antibiotika wird in der Schweiz mit der Strategie StAR gezielt zurückgedrängt.

Nur wenn sich aus der Erkältung eine bakterielle Komplikation entwickelt – etwa eine Nasennebenhöhlen- oder Lungenentzündung – kann ein Antibiotikum sinnvoll sein. Diese Entscheidung trifft ausschliesslich die Ärztin oder der Arzt. Auch bei begleitenden Magen-Darm-Beschwerden lohnt sich die Nachfrage, statt auf eigene Faust zu behandeln.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

Die meisten Erkältungen sind harmlos. Es gibt jedoch Warnzeichen, bei denen Sie nicht abwarten, sondern eine Ärztin, einen Arzt oder Ihre Apotheke kontaktieren sollten – besonders bei Säuglingen, älteren sowie chronisch kranken Menschen.

Rasch ärztlich abklären lassen bei:

  • Atemnot, pfeifender Atmung oder Schmerzen beim Atmen;
  • hohem oder länger als drei Tage anhaltendem Fieber;
  • starken Kopfschmerzen mit steifem Nacken oder Verwirrtheit;
  • Beschwerden, die sich nach rund zehn Tagen nicht bessern oder plötzlich verschlimmern;
  • Erkältungszeichen bei Säuglingen oder stark geschwächten Personen.

Im Notfall – etwa bei akuter Atemnot – wählen Sie den Notruf 144. Bei einer versehentlichen Überdosierung oder Vergiftung, zum Beispiel wenn ein Kind Medikamente geschluckt hat, hilft Tox Info Suisse unter 145 rund um die Uhr weiter.

Der Erkältung vorbeugen

Ganz vermeiden lassen sich Erkältungen nicht – Erwachsene machen im Schnitt zwei bis drei pro Jahr durch. Das Ansteckungsrisiko lässt sich aber senken: Regelmässiges und gründliches Händewaschen zählt laut Gesundheitsbehörden zu den wirksamsten Massnahmen. Dazu kommen Abstand zu Erkrankten, Lüften geschlossener Räume und das Niesen in die Armbeuge statt in die Hand. Ausreichend Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung unterstützen zusätzlich das Immunsystem. Welche weiteren Themen rund um Medikamente und Selbstbehandlung wichtig sind, finden Sie im Apotheken-Ratgeber.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Erkältung normalerweise?

Eine unkomplizierte Erkältung klingt meist innerhalb von 7 bis 10 Tagen von selbst ab. Ein leichter Reizhusten kann noch ein bis zwei Wochen länger bleiben. Wenn die Beschwerden nach rund zehn Tagen nicht besser werden oder sich deutlich verschlimmern, lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten oder suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf.

Helfen Antibiotika bei einer Erkältung?

Nein. Eine Erkältung wird durch Viren ausgelöst, und Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Sie verkürzen eine gewöhnliche Erkältung nicht und können unnötige Nebenwirkungen sowie Resistenzen begünstigen. Ob im Einzelfall eine bakterielle Komplikation vorliegt, beurteilt die Ärztin oder der Arzt.

Was hilft bei einer verstopften Nase?

Viele Menschen empfinden Kochsalz-Nasenspülungen, ausreichendes Trinken und feuchte Raumluft als angenehm. In der Apotheke gibt es zudem rezeptfreie abschwellende Nasensprays; diese sollten nur kurz und nach Packungsbeilage angewendet werden. Lassen Sie sich zur passenden Auswahl in Ihrer Apotheke beraten.

Sollte ich bei Fieber sofort zum Arzt?

Leichtes Fieber gehört oft zur Erkältung. Ärztlichen Rat brauchen Sie bei hohem oder mehrere Tage anhaltendem Fieber, bei Atemnot, starken Schmerzen, steifem Nacken oder wenn es kleinen Kindern, älteren oder chronisch kranken Menschen rasch schlechter geht. Im Notfall gilt die Nummer 144.

Helfen Vitamin C oder Zink gegen Erkältungen?

Die Studienlage ist begrenzt. Eine regelmässige Vitamin-C-Einnahme beugt Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung nicht zuverlässig vor und verkürzt sie höchstens geringfügig. Für Zink gibt es Hinweise auf eine leicht kürzere Dauer, aber auch auf Nebenwirkungen. Präparate ersetzen keine ärztliche Abklärung; lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.

Wann ist eine Erkältung ansteckend?

Am ansteckendsten sind die ersten Tage mit den stärksten Symptomen. Übertragen werden die Viren vor allem über Tröpfchen und die Hände. Regelmässiges Händewaschen, Abstand und in die Armbeuge niesen senken das Risiko, andere anzustecken.

Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Grippe und grippale Infekte; Schutz vor Ansteckung und Händehygiene.
  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR).
  3. Swissmedic: Informationen zur richtigen Anwendung rezeptfreier Arzneimittel.
  4. World Health Organization (WHO): Antimicrobial resistance – rationaler Einsatz von Antibiotika.
  5. Hemilä H, Chalker E. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2013. DOI: 10.1002/14651858.CD000980.pub4
  6. Oduwole O, et al. Honey for acute cough in children. Cochrane Database Syst Rev. 2018. DOI: 10.1002/14651858.CD007094.pub5