Zäpfchen – fachlich Suppositorien – sind bei kleinen Kindern oft die praktischste Form, ein Medikament zu geben: Sie brauchen kein Schlucken, wirken auch bei Übelkeit und lassen sich beim schlafenden Kind anwenden. Trotzdem verunsichert kaum eine Anwendung Eltern so sehr wie diese. Muss die Spitze zuerst hinein oder das dicke Ende? Darf man etwas Creme zum Gleiten nehmen? Und was tun, wenn alles gleich wieder herausflutscht? Im Internet finden sich dazu widersprüchliche Ratschläge. Dieser Beitrag ordnet das ein – allgemein verständlich und ohne konkrete Mengenangaben, denn welches Präparat in welcher Menge für Ihr Kind passt, klärt immer die Arztpraxis oder Ihre Apotheke.
Die überraschende Antwort: stumpfes Ende zuerst
Die meisten Menschen führen ein Zäpfchen instinktiv mit der Spitze voran ein – so, wie es geformt ist, scheint das logisch. Genau hier liegt jedoch ein hartnäckiger Denkfehler. Eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Untersuchung beschrieb, dass ein Zäpfchen zuverlässiger an Ort und Stelle bleibt, wenn man es mit dem stumpfen, breiten Ende zuerst einführt. Der Grund liegt in der Muskelbewegung des Schliessmuskels: Wird das breite Ende voran eingeführt, zieht der ringförmige Muskel das Zäpfchen von selbst nach innen, statt es wieder nach aussen zu drücken. Die Spitze zeigt also nach aussen.
Für den Alltag heisst das: Führen Sie das Zäpfchen mit der abgerundeten, dickeren Seite voran ein und schieben Sie es sanft so weit hinein, bis es hinter dem Schliessmuskel liegt. Dieser kleine Kniff wird in vielen Packungsbeilagen bis heute nicht erwähnt – und ist doch der einfachste Weg, damit das Medikament dort bleibt, wo es wirken soll.
Die fünf Grundregeln auf einen Blick
- Stumpfes Ende zuerst: das breite, abgerundete Ende voran – nicht die Spitze.
- Kein Fett als Gleitmittel: keine Creme, keine Vaseline, kein Öl.
- Kurz festhalten: die Pobacken danach etwa eine Minute sanft zusammendrücken.
- Kühl lagern: vor Wärme schützen, weiches Zäpfchen kurz kühlen.
- Fragen klären: Menge, Alter und Zweifel mit Apotheke oder Arztpraxis besprechen.
Schritt für Schritt: so führen Sie ein Zäpfchen ein
Mit ein wenig Vorbereitung wird die Anwendung ruhig und schnell – gerade beim fiebrigen, unruhigen Kind zählt das. Die folgenden Schritte gelten allgemein; konkrete Mengen und Zeitpunkte richten sich immer nach der ärztlichen Anordnung und der Packungsbeilage.
- Waschen Sie sich die Hände. Halten Sie das Zäpfchen noch in der Verpackung bereit und öffnen Sie es erst kurz vor der Anwendung.
- Legen Sie das Kind auf die Seite mit leicht angezogenen Beinen oder – bei Säuglingen – auf den Rücken mit sanft angehobenen Beinchen, ähnlich wie beim Wickeln.
- Führen Sie das Zäpfchen mit dem stumpfen Ende voran ein und schieben Sie es mit dem Finger vorsichtig hinein, bis es hinter dem Schliessmuskel verschwindet.
- Drücken Sie die Pobacken danach etwa eine Minute sanft zusammen und lassen Sie das Kind noch einen Moment ruhig liegen.
- Waschen Sie sich anschliessend erneut die Hände.
Ist das Zäpfchen sehr weich, kann es sich schlecht fassen lassen. Legen Sie es dann noch verschlossen für ein paar Minuten in den Kühlschrank oder unter kaltes Wasser, bis es wieder fest ist. Ein zu hartes, trockenes Zäpfchen lässt sich umgekehrt mit etwas Wasser an der Spitze leichter einführen.
Warum kein Öl und keine Creme als Gleitmittel
Es liegt nahe, zum Gleiten etwas Babycreme, Vaseline oder Öl zu nehmen – doch davon ist abzuraten. Fetthaltige Mittel können die Hülle des Zäpfchens anlösen und verändern, wie und wie schnell der Wirkstoff freigesetzt wird. Damit riskieren Sie, dass das Medikament schlechter oder unregelmässig aufgenommen wird. Reicht die eigene Gleitfähigkeit nicht aus, genügt in aller Regel etwas Wasser an der Spitze. Braucht es in einem Sonderfall doch ein Gleitmittel, lassen Sie sich in Ihrer Apotheke ein geeignetes, wasserbasiertes Produkt empfehlen – dann ist die Wirkung nicht in Gefahr.
Wenn das Zäpfchen wieder herausrutscht
Das passiert häufiger, als man denkt – und ist meist kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist der Zeitpunkt. Rutscht das Zäpfchen unversehrt und vollständig innerhalb der ersten Minuten wieder heraus, bevor es angeschmolzen ist, kann es in der Regel erneut eingeführt werden – diesmal bewusst mit dem stumpfen Ende voran und etwas tiefer. Kommt es dagegen bereits weich oder nur teilweise wieder zum Vorschein oder liegt der Vorgang schon länger zurück, führen Sie nicht einfach ein zweites Zäpfchen ein: Sonst wird unklar, wie viel Wirkstoff bereits aufgenommen wurde. In diesem Fall ist die Apotheke oder die Arztpraxis die richtige Anlaufstelle, um zu klären, ob und wann nachdosiert werden darf. Gerade bei fiebersenkenden Zäpfchen ist es wichtig, dass die aufgenommene Menge nachvollziehbar bleibt.
| Situation | Was tun |
|---|---|
| Zäpfchen kommt sofort ganz und fest wieder heraus | Erneut einführen, stumpfes Ende voran, etwas tiefer |
| Zäpfchen ist schon angeschmolzen oder nur teilweise draussen | Nicht nachlegen – Apotheke oder Arztpraxis fragen |
| Unsicher, wie viel aufgenommen wurde | Nicht nachdosieren – ärztlichen Rat einholen |
| Kind wehrt sich stark, Anwendung misslingt wiederholt | In der Apotheke nach Alternativen und Tipps fragen |
Zäpfchen richtig lagern – besonders im Sommer
Zäpfchen sind wärmeempfindlich: Viele bestehen aus einer Fettgrundlage, die schon bei Körpertemperatur zu schmelzen beginnt – dafür sind sie gemacht. Im Hochsommer wird das zum Problem. In einem heissen Auto, auf der Fensterbank oder in der Handtasche werden Zäpfchen weich, verformen sich und lassen sich nicht mehr sauber anwenden. Bewahren Sie sie deshalb kühl und vor Wärme geschützt auf. Ist ein Zäpfchen weich geworden, legen Sie es noch in der Verpackung einige Minuten in den Kühlschrank oder ins kalte Wasser, bis es wieder fest ist – anschliessend ist es meist wieder verwendbar. Ob ein bestimmtes Präparat dauerhaft in den Kühlschrank gehört, steht in der Packungsbeilage. Im Zweifel gibt Ihnen Ihre Apotheke Auskunft, auch zur Frage, wie lange ein einmal angeschmolzenes Zäpfchen noch brauchbar ist.
Sofort handeln – Notruf 144 wählen bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion nach der Anwendung: Atemnot, Schwellungen im Gesicht, an Lippen oder Zunge, Kreislaufschwäche oder ein sich rasch ausbreitender Hautausschlag. Ebenso bei anhaltend hohem Fieber, das sich nicht senken lässt, bei einem sehr schlappen Kind oder wenn Sie unsicher sind.
Hat ein Kind versehentlich ein Zäpfchen verschluckt, wurde zu viel gegeben oder eine falsche Menge angewendet, erreichen Sie Tox Info Suisse rund um die Uhr unter 145. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als zu wenig – in der Apotheke, in der Arztpraxis oder über die Notfallnummern.
Ein Zäpfchen ist eine unkomplizierte und bewährte Darreichungsform – wenn ein paar Kleinigkeiten stimmen. Wie herum, ohne Fett, kurz festhalten und kühl gelagert: mehr braucht es für den Alltag nicht. Alles Weitere zu Medikamenten und ihrer sicheren Anwendung finden Sie in unserem Apotheken-Ratgeber, und welche Menge für Ihr Kind passt, klärt am besten das persönliche Gespräch in Ihrer Apotheke.
Häufige Fragen
Welches Ende vom Zäpfchen führt man zuerst ein?
Entgegen der weit verbreiteten Annahme wird das stumpfe, breite Ende zuerst eingeführt – nicht die Spitze. Eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Untersuchung beschrieb, dass ein stumpf voran eingeführtes Zäpfchen durch die Muskelbewegung des Schliessmuskels besser nach innen gezogen wird und seltener wieder herausrutscht. Führen Sie das Zäpfchen also mit der abgerundeten, dickeren Seite voran so weit ein, bis es hinter dem Schliessmuskel liegt. Bei Unsicherheit lassen Sie sich in Ihrer Apotheke zeigen, wie es geht.
Darf man ein Zäpfchen mit Creme oder Öl gleitfähig machen?
Verwenden Sie keine Creme, keine Vaseline und kein Öl als Gleitmittel. Fetthaltige Mittel können die Hülle des Zäpfchens verändern und beeinflussen, wie der Wirkstoff freigesetzt wird. Ist mehr Gleitfähigkeit nötig, genügt es meist, die Spitze kurz mit etwas Wasser anzufeuchten oder das Zäpfchen einen Moment in der Hand anzuwärmen. Für Sonderfälle fragen Sie in Ihrer Apotheke nach einem geeigneten Gleitmittel.
Was tun, wenn das Zäpfchen wieder herausrutscht?
Rutscht das Zäpfchen unversehrt und vollständig innerhalb der ersten Minuten wieder heraus, kann es in der Regel erneut eingeführt werden – diesmal mit dem stumpfen Ende voran und etwas tiefer. Ist es dagegen bereits angeschmolzen oder liegt länger zurück, führen Sie nicht einfach ein zweites Zäpfchen ein, weil sonst die aufgenommene Menge unklar wird. Fragen Sie in einem solchen Fall in Ihrer Apotheke oder in der Arztpraxis nach, wie Sie vorgehen sollen.
Wie lagert man Zäpfchen im Sommer richtig?
Viele Zäpfchen schmelzen bei Wärme und werden dann weich und unbrauchbar. Bewahren Sie sie kühl und vor Wärme geschützt auf und lassen Sie sie nicht im Auto oder auf der Fensterbank liegen. Ist ein Zäpfchen weich geworden, legen Sie es noch in der Verpackung einige Minuten in den Kühlschrank oder ins kalte Wasser, bis es wieder fest ist. Ob ein bestimmtes Präparat in den Kühlschrank gehört, steht in der Packungsbeilage; im Zweifel fragen Sie in Ihrer Apotheke.
Wie lange sollte das Kind nach dem Zäpfchen liegen bleiben?
Halten Sie nach dem Einführen die Pobacken etwa eine Minute sanft zusammen und lassen Sie das Kind danach noch einen Moment ruhig liegen. So bleibt das Zäpfchen zuverlässiger an Ort und Stelle und der Wirkstoff kann aufgenommen werden. Drängt das Kind kurz danach zum Stuhlgang, ist das meist ein normaler Reiz und legt sich in der Regel rasch.
Quellen
- Abd-El-Maeboud KH, el-Naggar T, el-Hawi EM, Mahmoud SA, Abd-El-Hay S. Rectal suppository: commonsense and mode of insertion. The Lancet. 1991;338(8770):798–800 (via PubMed).
- Swissmedic – Schweizerisches Heilmittelinstitut: Arzneimittelinformation und sichere Anwendung von Arzneimitteln.
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): richtiger Umgang mit Arzneimitteln und Anwendung bei Kindern.
- pharmaSuisse – Schweizerischer Apothekerverband: Beratung in der Apotheke.
- Tox Info Suisse: Vergiftungsnotfälle und Beratung rund um die Uhr (Telefon 145).